Homöopathie für Schafe

 

 

 

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> Flaschenlamm, Flaschenlämmer, alles was wichtig ist...
REDAKTION
Geschrieben am: 16.1.2007 - 07:32
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Aufzucht von Flaschenlämmern

Zunächst muss festgestellt werden, ob eine künstliche Aufzucht wirklich notwenig- oder erwünscht ist.
Es gibt verschiedene Gründe die für die mutterlose Aufzucht von Lämmern sprechen.

a.) Als erstes ist der Tod des Muttertieres auf zu führen.. Tritt dieser unvorhersehbar ein, so kann in der Regel zuvor keine Milch mehr für das Lamm gemolken werden.
b.) Weiterhin kann es vorkommen, daß die Aue - noch - keine Milch hat. In einige Fällen schießt die Milch erst einige Tage nach dem Fallen des Lamms ein- dann muss nur eine gewisse Zeit durch die künstliche Aufzucht überbrückt werden.
c.) Die Aue lässt das Lamm nicht trinken..
Dies kann verschiedene Gründe haben.

- Junge Auen sind gelegentlich so übermäßig mit Ablecken des Lamms beschäftigt, das sie es nicht ans Euter lassen. In dem Fall kann man die Aue eine kurze Zeit so festhalten, dass das Lamm erst einmal seine erste Portion Milch bekommt. Je nach Aue kann dieses Vorgehen mehrfach notwendig sein, bis sie weiß wie sie sich verhalten soll, damit das Lamm zu seiner Milch kommt.

- Manche jungen Auen sind augenscheinlich sehr Berührungsempfindlich am Euter, so das sie, obwohl sie sich sonst liebevoll um das Lamm kümmern, es nicht trinken lassen.
Auch hier bewährt es sich meist die Auen zu fixieren, damit das Lamm trinken kann.
Wenn die Aue nach dem Lamm tritt( ggf auch weil das erste Ansaugen schmerzhaft ist), kann man den Kopf des Lamms schützen in dem man seine Hand davor hält.
Bei einigen Schafen kann man das Treten auch verhindern, indem man den Kopf der Aue in Richtung ihres Rückens dreht - natürlich ohne Gewalt.

- Die Aue nimmt das Lamm nicht an. In diesem Fall wird das Lamm in der Regel auch nicht beleckt und von der Aue weggestoßen. Man kann auch hier versuchen, die Aue regelmäßig zu fixieren, damit das Lamm trinken kann und hoffen, dass die Aue das Lamm noch annimmt. Es gibt reichlich Berichte, das es so funktionieren kann, die meisten Versuche dieser Art werden jedoch nicht von Erfolg gekrönt sein, oft ist es auch notwenig, das Lamm von der Aue zu entfernen, damit sie es nicht verletzen kann. Es wird auch beschrieben, das man bei den Versuchen das Lamm der Aue unter zu schieben, einen Hund vor das Gatter setzen soll, da der den Beschützerinstinkt der Aue wecken soll. Wird nur ein Lamm von Mehrlingen nicht akzeptiert kann man versuchen alle Lämmer für 2 Stunden von der Aue zu trennen ( Kiste außer Seh- und Hörweite der Aue) und dann zusammen zu der Aue zu setzen- oft nimmt sie dann das ungeliebt Lamm mit an.

d) Bei Milchschafen, die auch gemolken werden sollen, werden die Lämmer oft zwischen dem 1. und dem 10. Lebenstag von dem Müttern getrennt, und in Mastbetriebe verkauft. Wenn sie die ersten 3 Tage bei den Müttern bleiben, hat man den Vorteil, dass sie wenigstens die Kolostralphase an der Mutter verbracht haben, was eine Stärkung des Immunsystems bewirkt.

e) Im Falle eine Herdensanierung, wie sie z.B. bei Maedi vorgenommen werden muss, sind die Lämmer unmittelbar nach der Geburt von ihren Müttern zu trennen und es ist sicher zu stellen das auch keine Milch von den infizierten Muttertieren von den Lämmern aufgenommen wird. In solchen Fällen werden die Muttern in der Regel nach dem Lammen geschlachtet und man startet mit den nicht infizierten Lämmern eine neue Herde. Ob diese Vorgehensweise sinnvoll ist, muss im Einzelfall beurteilt werden, da der zeitliche und finanzielle Aufwand der künstlichen Lämmeraufzucht nicht unerheblich ist. GGF ist es günstiger, die Lämmer von den Muttern aufziehen zu lassen und bei Schlachtreife der Lämmer den Gesamtbestand abzuschlachten um dann mit zugekauften, gesunden Tieren zu wieder starten:

In allen Fällen, in denen die Aue das Lamm nicht an das Euter lassen will, sollte man untersuchen ob eine Mastitis der Grund für das Verhalten der Aue ist. In diesem Fall muss man sich umgehend an einen TA wenden, damit dieses Problem medizinisch behandelt wird. Eine Mastitis zeigt sich unter anderem durch verändertes Sekret, wie Milch mit Flocken, zum Teil gar mit Verlust des Milchcharakters( bierartiges, braunes Sekret mit weißlich gelben Flocken aus koagulierten Milchinhaltsstoffen), Rötung des Euters bis hin zur Blaufärbung, lokale Hitze, massive Schmerzempfindlichkeit (wütendes Treten bei Berührung), oder derbknotige Gewebe-Veränderungen.
Wenn es fraglich ist, ob das Euter ok ist, oder vielleicht doch eine krankhafte Veränderung vorliegt, sollte man in jedem Fall einen Fachmann zu Rate ziehen. Eine nicht behandelte Mastitis führt in vielen Fällen zu irreparablen Schäden des Euters, die meist in der Folge zum Merzen des Mutterschafes führen.



Steht nun aus einem der vorgenannten Gründe fest, das ein Lamm künstlich aufgezogen
werden muss, so ist noch von Bedeutung ob das Lamm zuvor die Biestmilch von der Aue
bekommen hat.
Hat das Lamm keine Biestmilch von der Mutter erhalten, so hat man wieder verschiedene Möglichkeiten:

1. Man hat Biestmilch von einem vorher ab gelammten Schaf eingefroren und kann auf diese nun zurückgreifen.

2. Man versucht sehr kurzfristig ( innert 2-4 Stunden) Biestmilch von einem Schafhalter in der Umgebung zu erhalten. Wenn diese Kontakte nicht schon vor dem Ernstfall stehen, ist die Erfolgsaussicht hierfür in der Regel gering.

3. Man verwendet Kuhbiestmilch. Diese kann man zu einem günstigen Preis bei den meisten Milchkuhbetrieben bekommen. In Gegenden, in denen es keine Milchviehbetriebe mehr gibt, fällt diese Möglichkeit weg.

4. Man verwendet Biestmilchersatz. Diese kann man zum einen als Fertigprodukt beziehen, welches dann in der Regel ein Pulver darstellt, das mit warmem Wasser angerührt werden muss. Oder man mischt einen Biestmilchersatz selber an, verschiedene Rezepte dazu finden sich im Forum.

Die Biestmilch wird an den ersten 2 Tagen alle 2 Stunden aus einer Flasche mit Sauger verabreicht. Bei Austauschern ist das empfohlene Mischungsverhältnis streng einzuhalten.
Die Tränketemperatur sollte zwischen 39 und 35°C liegen- eine zu kalte Tränke kann im Labmagen nur unzureichend gesäuert werden, was dazu führt, das Milchinhaltsstoffe unaufbereitet in den Darm gelangen und dort massive Verdauungsstörungen hervorrufen.
Eine zu heiße Tränke führt zu Verbrühungen im Maul- und Schlundbereich- das dies zu verhindern ist, sollte nicht einer Erklärung bedürfen.
In den ersten 24 Stunden sollte das Lamm in Abständen von 2 Stunden mit dem Kolostrum (-Ersatz) versorgt werden, jeweils mit einer Tränkemenge von 50 ml. Ein Überschreiten dieser Menge birgt das Risiko das das Fassungsvermögen des Labmagens überschritten wird und Milch in den Pansen zurück läuft. Dieser ist nicht auf die Verdauung von Milch ausgerichtet. Diese Komplikation führt zu Verdauungsstörungen die ggf tödlich ausgehen können.
Ab dem 2. Lebenstag wird das Lamm, nach ausreichender Kolostrumaufnahme mit normaler Schafmilch, speziellem Lämmer Milchaustauscher oder notfalls auch mit Kuhmilch versorgt.
Die ideale Tränketemperatur ist so strikt als möglich einzuhalten- gerade in den ersten Tagen ist sie Toleranz gegen über zu kalter Tränke äußerst gering.

Am 2. und 3.Lebenstag verabreicht man dem Lamm alle 3 Stunden 70 ml Tränke. Jetzt braucht man die Nacht nicht mehr durch zu füttern- die Pause nachts kann 8 Stunden betragen- eine 6 stündige Pause kommt dem natürlichen Verhalten des Lamms, welches von sich aus über den Tag verteilt 50-60 Mal bei seiner Mutter trinken würde, jedoch entgegen.

Am 4. und 5. Lebenstag wird das Tränkeintervall auf 4 Stunden erhöht und die Menge auf 100 bis 130 ml- die Tränkepause in der Nacht beträgt 8 Stunden.
Vom 6. bis zum 10. Lebenstag wird das Lamm alle 5 Stunden getränkt. Die Menge wird in diesem Zeitraum allmählich von 200 auf 300ml erhöht. Die nächtliche Tränkepause kann auf 9 Stunden ausgedehnt werden.

Vom 11. bis zum 24. Lebenstag bekommt das Lamm 3 Tränken über den Tag verteilt alle 6 Stunden- nachts wird 12 Stunden pausiert. Die Tränke Menge wird innerhalb dieser zeit von 400 auf 500 ml erhöht.

Vom 25. bis 56. Tag wird 3 Mal pro Tag alle 6 Stunden getränkt. Die Menge wird jetzt von 500 auf 800ml gesteigert. Die Pause nachts dauert 12 Stunde.
Von da an werden die Lämmer nur noch 2 Mal pro Tag getränkt. Die Milchmenge sollte jedoch 800 ml nicht überschreiten. In diesem Alter sollten die Lämmer bereits stabil Heu/ Gras und ggf Kraftfutter fressen. Ab der 8. Lebenswoche sollte man die Lämmer von der Milch entwöhnen. Man kann Lämmer auch bereits mit 6 Wochen absetzen- die Festfutteraufnahme muss aber dann schon groß genug sein, das sie in der Entwicklung durch den Wegfall der Milch dann nicht zurückbleiben.

Das Wiederkäuen beginnt ca. ab einem Alter von 2 -3 Wochen.

Milchaustauscher werden in der Regel mit Wasser von ca. 45 °C angerührt, weil sie sich bei dieser Temperatur besser auflösen- die Tränketemperatur sollte jedoch bei 39-35°C liegen.
Man kann Lämmern auch eine kalte Vorratstränke verabreichen. In diesem Fall wird je Liter Kalttränke 6ml 47% Ameisensäure hinzu gegeben. Die Säure bewirkt eine Ansäuerung der gesamten Tränke, so dass der Labmagen sie auch im kalten Zustand verdauen kann. Die kalte Tränke wird von den Lämmern nicht so gierig getrunken, so dass ein Übertrinken selten stattfindet. Die Akzeptanz bei den Lämmern ist jedoch auch deutlich schlechter als bei warmer Tränke- hier muss zwischen dem eingesparten Aufwand und der evtl. nicht optimalen Entwicklung der Lämmer abgewogen werden.

Bei kleinen Schafrassen sind die Milchmengen entsprechend anzupassen (zu verringern) - die oben aufgeführten Werte beziehen sich auf Lämmer mit einem Geburtsgewicht von 4 kg.

In einiger Literatur wird ein Tränkeregime beschrieben, bei der die Tiere ab dem ersten Tag nur 3-4 Malzeiten von je 250ml bekommen.
Bei dieser Versorgung, die in Großbetrieben z.T. die einzig Durchführbare ist, muss mit Lämmerausfällen gerechnet werden- je nach weiteren Umständen bis zu 10%.

Die Milch kann dem Lamm auf verschiedene Weise gefüttert werden.
Gerade bei kleinen Lämmern bietet sich die Verwendung einer Babyflasche an, wie sie auf zum Füttern eines Säuglings verwendet wird. Der Sauger sollte dann jedoch eine gerade Form haben (kein ausgeformter Kiefersauger). Das Loch für die Milch ist so klein zu wählen, dass sich das Lamm nicht an einer zu großen Milchmenge verschluckt. Wird eine Kunststoffflasche verwendet, so hat dies den Vorteil, dass sie sich ein wenig zusammendrücken lässt, so dass dem Lamm wenige Tropfen Milch in den Mund gespritzt werden, und es durch den Milchgeschmack zum Saugen angeregt wird.
Spätestens wenn die Tränkemenge 200ml übersteigt ist die Verwendung einer speziellen Lämmerflasche anzuraten. Davon erhält man auch so genannte non-vac Flaschen, die Luft über ein Ventil in das Flascheninnere lassen, und so die Bildung eines Unterdrucks in der Flasche verhindern. Der Sauger muss eine ausreichende Länge aufweisen, damit der Saugreflex beim Lamm ausgelöst wird.

Als Alternative kann man auch eine Lämmerbar verwenden. Dies sind Eimer unterschiedlicher Geometrie, an deren Unterkante 3, 5 oder 6 Sauger angeschraubt sind. So kann man eine größere Menge Lämmer gleichzeitig tränken. Das bei diesen Tränken vorhandene Risiko ist, das evtl. ein Lamm viel mehr trinkt als die anderen, weil es schneller ist, und sich damit übertrinkt. Es ist also zu beachten, dass kein Lamm nach dem Tränken einen deutlich sichtbaren, prall gefüllten Bauch hat.
Eine weitere Möglichkeit ist das Tränken mit einer Steigvorrichtung. In diesem Fall befinden sich die Sauger auf einer an der Stallwand fest geschraubten Platte. An diesen sind Schläuche befestigt, welche in einem Milcheimer führen. Am unteren Ende der Schläuche verhindern einfache Kugelventile ein Leerlaufen. Saugt nun ein Lamm am Sauger, so steigt die Milch in den Schläuchen zu den Saugern auf. Diese Möglichkeit bietet sich vor allem für eine kalte Sauertränke an, weil man mit einer entsprechenden Gefäßgröße leicht einen Vorrat für einen Tag den Lämmern zur Verfügung stellen kann. Diese Steigvorrichtung verfügt über 2 Sauger je Einheit- bei einer rationierten Warmtränke Sollte die Anzahl der Tränkestellen der Lämmerzahl entsprechen- eine Ausnahme hiervon wäre, wenn man die Milch im Vorratsbehalter warm halten kann und man die Tränke warm als Vorratstränke anbieten kann- dann ist jedoch oft die in den Schläuchen abgekühlte als problematisch zu bewerten.

Bei einer großen Zahl von künstlich aufzuziehenden Lämmern kann die Anschaffung eines Tränkeautomaten wirtschaftlich sein.
Diese Gerate unterscheiden sich noch in Typen die auch Vollmilch verarbeiten können und solche die nur Milchaustauscherpulver verwenden.
Die jeweilig dem Lamm zugedachte Milchmenge wird jeweils frisch erhitzt, bzw. angerührt.
Über einen Schlauch gelangt die Milch zur Tränkestation, die entweder nur aus einem an einem Brett befestigtem Sauger besteht, oder aus einer Tränkestelle mit Einzeltiererkennung per Responder.
Bei der ersteren könnte theoretisch ein Lamm in kurzen Abständen mehrfach die bereitgestellte Milchmenge trinken und sich auch wieder übertrinken. Dies geschieht bei dauerhaft zur Verfügung stehender Milch jedoch selten, einfach weil die Gier des Lamms nicht so groß ist, wie bei der rationierten Tränke. Im 2. Fall wird per Einzeltiererkennung genau geprüft, welchem Lamm wie viel Milch zu welcher Zeit zusteht- zum Betrieb eines solchen Automaten ist dann zusätzlich ein PC mit entsprechender Software notwendig.

Bei allen Systemen ist auf maximale Hygiene zu achten- Tränkeeimer, Flaschen und Sauger sind mindestens täglich penibel zu reinigen und zu desinfizieren. Die Reinigung aller Systeme mit Schläuchen gestaltet sich meist schwierig.
Hier muss aus geeignete Anschlüsse für eine Wasserspülung und Lange Schlauchbürsten passenden Durchmessers zurückgegriffen werden. Da die Reinigung zeitaufwändig ist, sollten die Schläuche in 2-facher Anzahl vorhanden sein, so dass während der Reinigung der jeweils andere in Gebrauch ist.
Bei allen Vorratstränken muss auf eine ausreichende Abdeckung der Tränke geachtet werden, so das kein Schmutz und keine Schädlinge in die Vorratstränke eingetragen werden.


Abschließend ist zu sagen: wenn man ein „Flaschenlamm“ nicht angemessen versorgen kann, und auch keine Ersatzperson hat, die dieses erledigen kann, ist es im Sinne des Tieres vor zu ziehen, es schmerzfrei zu töten.


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